Tour Diary

27.6. Anreise nach Stettin

Die deutschen Teammitglieder erreichten am Abend Stettin, wo sie vom dortigen Lions Club Jantar erwartet wurden.

Von der Governorin des dortigen Districts wurde uns die Nachricht überbracht, dass sich die polnischen Lionsfreunde spontan dazu entschlossen hatten, das gesamte Spendengeld den Hochwasseropfern in Deutschland zu Gute kommen zu lassen. Ihnen war noch gut in Erinnerung, dass nach dem Hochwasser in Polen 2010 die erste schnelle und unbürokratische Hilfe aus Deutschland kam.

Bei einem gemeinsamen Abendessen wurden Kontakte geknüpft und wir spürten die herzliche Gastfreundschaft der polnischen Lionsfreunde.

28.6. Stettin – Strasburg/Uckermark

Mit Spannung erwarteten alle Teilnehmer die erste Begegnung mit den übrigen Teammitgliedern, da sich im Vorfeld der Acitivity nur Ludwig und Tilman einmal kurz mit Mariusz getroffen hatten. Aber die Stimmung war sofort prima und wir begaben uns zum gemeinsamen Startpunkt am "Monument to Polish Endeavor" (Pomnik Czynu Polaków). Mariusz und Daniel hatten hierfür etliche Lionsfreunde und die Presse mobilisieren können, aber auch der bekannte Marathonläufer Jurek Skarżyński war gekommen, um mit allen eine professionelle Aufwärmung für den Lauf durchzuführen. Nun erfuhren wir auch, dass uns etliche Begeisterte ein Stück aus Stettin und einige sogar bis zur polnisch-deutschen Grenze begleiten würden, darunter u.a. Joanna Skorupska-Górska und ihr Sohn Oskar.

Bis zur Grenze liefen unsere drei Läufer gemeinsam, dann wurde immer wieder gewechselt, damit die Belastung nicht zu groß würde. Schließlich lagen ja insgesamt 423 km vor uns, von denen 65 km am 1. Tag zu absolvieren waren.

Einige Kilometer vor Pasewalk (Krugsdorf) erwartete uns Lionsfreund Eckhard Beltz vom Lions Club Ueckermünde/Stettiner Haff mit einem weiteren Sportsfreund und begleitete uns bis zum Ziel unserer ersten Etappe nach Strasburg, wo wir vom Bürgermeister Norbert Raulin an der Pension Sportlerklause „Zum Kronprinzen“ begrüßt wurden. Die Läufer konnten ihre müden Beine Ines von der "kleinen Wellness-Oase" anvertrauen, um die hungrigen Mägen kümmerte sich der Inhaber der Gaststätte, Herr Schnell (selbst Marathonläufer), mit einem köstlichen, üppigen Abendessen.

29.6. Strasburg/Uckermark – Neubrandenburg

Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück rüsteten wir uns zur 2. Etappe. Dankenswerter Weise hatte Herr Schnell die verschwitzten Laufshirts in die Waschmaschine gesteckt, so dass wir um 10 Uhr rundum erfrischt auf die Strecke gehen konnten, nicht ohne vom Bürgermeister höchst persönlich verabschiedet zu werden. Bis Neubrandenburg waren 40 km zurückzulegen, weitestgehend auf Radwegen oder auf wenig befahrenen Straßen. Zum Glück war es nicht zu warm, allerdings machte uns der permanente Gegenwind zu schaffen. Um die Läufer möglichst gut zu betreuen, waren immer mindestens 2 Radfahrer mit Getränken und Müsliriegeln in der Nähe, die auch dafür verantwortlich waren, dass die von Ludwig sorgfältig ausgearbeitete Laufroute eingehalten wurde. Das Teammotto „We run - we serve“ wurde von den Supportern in „You run - we serve“ umgewandelt.

In Neubrandenburg wurden wir im Hotel Radisson Blue vom Direktor Roland Szeremlei sowie von Frau Stock vom LC Neubrandenburg Mecklenburg Vorpommern empfangen. Bei einem Pressetermin konnten wir die Idee des Laufes erläutern.

Am Abend waren wir zum Präsidentenfest in den Garten des Clubpräsidenten des vergangenen Lionsjahres René Gansewig eingeladen. Auch hier wurden wir herzlich und interessiert aufgenommen. Es ergaben sich viele angeregte Gespräche und einige Lionsfreunde wollten uns am nächsten Morgen einige Kilometer begleiten.

30.6. Neubrandenburg – Waren (Müritz)

Zu unserer großen Freude standen am Morgen nicht nur Thomas Carmienke und seine Frau vor dem Hotel, auch der Hoteldirektor selbst war gekommen, um uns ein Stück aus Neubrandenburg laufend zu begleiten. Mit Fahrrädern hatten sich Prof. Dr. Heinz Große-Hokamp und weitere Lionsfreunde eingefunden, so dass wir eine stattliche Gruppe bildeten. Diese 3. Etappe stellte uns das erste Mal vor logistische Probleme, da wir uns mit einem Lauffreund aus Halle treffen wollten und die Kommunikation wegen Funklöchern leider nicht wirklich funktionierte. Dank Tilmans Hilfe stieß Prof. Dr. Christoph Thomssen aber dann doch zu uns. Einige Kilometer vor Waren kamen uns zur Begrüßung Lionsfreunde Steffen Bütow, Dieter Grammes und Katrin Steindorf-Sabath vom LC Waren-Röbel entgegen und begleiteten uns bis zum Etappenziel. Nach insgesamt 50 km wurden wir in Waren von vielen geduldig wartenden Lionsfreunden, dem Bürgermeister, der örtlichen Presse sowie der LF'in Kati Strasen vom Hotel „Kleines Meer“ begrüßt. Zur großen Freude der Läufer stand Herr Eduard Kuhnert bereit, um mit geübten Händen die Verspannungen der Beinmuskulatur zu lösen.

Der Abend klang mit einem köstlichen Menü in kleiner Runde mit dem Ehepaar Grammes und LF Bütow aus.

1.7. Waren (Müritz) – Parchim

Nach 3 anstrengenden Tagen gönnten wir uns eine kleine Erholung in Form einer Bootsfahrt von Waren nach Plau am See, begleitet von LF Grammes. Hier konnten wir die wunderschöne Seenlandschaft genießen und uns zugleich etwas auszuruhen, bevor es weiter auf die Laufstrecke nach Parchim ging. Als ob die geplanten 40 km für unsere Läufer nicht ausreichend gewesen wären, sorgte eine kleine Unaufmerksamkeit für einen beträchtlichen Umweg von 8 km. Damit stellten wir auch das Begrüßungskomitee des Lions Clubs in Parchim auf eine harte Geduldsprobe. Aber Ende gut alles gut. In einem beschaulich an der Elde gelegenen kleinen Hotel verbrachten wir den Abend zusammen mit LF Roland Hiltscher und einer großen Anzahl von LF aus seinem Club.

2.7. Parchim – Schwerin

Der 5. Tag sollte uns über eine Strecke von 47 km nach Schwerin führen. Als nunmehr perfekt eingespieltes Team, in dem jeder seinen Platz gefunden hatte, bewältigten wir die Distanz ohne Probleme. Tilman sorgte für die Orientierung, Ulrike und Rhea für das leibliche Wohl und die mentale Unterstützung der Läufer. Und Ludwig, Mariusz und Daniel liefen und liefen und liefen. Die zurückgelegten Kilometer hatten zwar bereits Spuren hinterlassen, aber es gab niemanden der klagte und die Stimmung im Team wurde von Tag zu Tag fröhlicher, was nicht zuletzt an den lustigen Sprüchen von Daniel lag.

In Schwerin-Görries kamen wir im Sport- und Bikehotel unter, wo wir wiedermal Waschmaschinen mit verschwitzten Laufklamotten füllen konnten. Der LC Schwerin-Fürst Niklot hatte uns zu einem Grillabend eingeladen, reich bestückt durch die Clubmitglieder. In lockerer Stimmung und mit vielen interessanten Gesprächen genossen wir den herzlichen Empfang.

3.7. Schwerin – Ratzeburg

Um 10 Uhr erfolgte der Start auf die Distanz von diesmal 53 km. Hatten wir bislang mit Gegenwind zu kämpfen, kamen jetzt etliche Anstiege hinzu, die auch für die Fahrradbegleitung eine enorme Anstrengung bedeuteten. Dennoch waren wir schneller als erwartet, so dass wir am Ortseingang von Ratzeburg noch eine kurze Verschnaufpause einlegen konnten, bis wir zum Treffpunkt mit den LF Karsten Kerber und mehreren Mitgliedern vom LC Herzogtum Lauenburg liefen. Auch hier war der Empfang sehr herzlich und Karsten liess es sich nicht nehmen, die letzte Strecke ins Zentrum mit uns zu laufen. Am Löwen-Denkmal am Ratzeburger Dom wurden Fotos gemacht und dann fuhren wir zum Hotel. Karsten begleitete Rhea auf dem Fahrrad und Ludwig hatte den Ehrgeiz, auch diese Strecke noch zu laufen, die allerdings länger und bergiger war als erwartet. Erschöpft erreichten wir das Hotel, wo Ulrike, Tilman und Rhea die Gelegenheit zum erfrischenden Bad im See nutzten, während Daniel, Mariusz und Ludwig durch eine wohltuende Massage vom Physiotherapeuten, Herrn Götz Baron von der Pahlen, wieder fit gemacht wurden.

Für den Abend war eine Pasta-Party organisiert, zu der uns der Lions Club in den Ratzeburger Ruderclub eingeladen hatte.

4.7. Ratzeburg – Lübeck

Die vorletzte Etappe war noch einmal zum Verschnaufen vor dem Endspurt erfreulich kurz. 25 km waren zu bewältigen. Entlang wunderschöner Kanäle umhüllt von Lindenblütenduft erreichten wir das Holstentor, wo wir von LF Dr. Ulrich Hoffmeister vom LC Lübeck-Hanse erwartet wurden. Lübeck war auf ausdrücklichen Wunsch von Mariusz als Etappenziel aufgenommen worden, da er 1974 und 1975 als Praktikant dort arbeitete und seine Erinnerungen auffrischen und einen alten Freund treffen wollte. Dieser lud uns am Nachmittag auf sein Motorboot ein und zeigte uns Lübeck von der Flussseite. Da er sowohl für Getränke als auch für belegte Brötchen gesorgt hatte, konnten wir diese Fahrt in vollen Zügen und entspannt genießen.

5.7. Lübeck - Hamburg

Der Abstecher nach Lübeck bedeutete allerdings, dass die letzte Etappe 77 km lang war und das nach bereits 7 Tagen unermüdlichen Laufens. Doch obwohl die Beine nun schon schwer waren, hielten sich unsere Läufer tapfer, zumal Unterstützung aus Polen angereist war. LF'in Joanna Skorupska-Górska, die wir bereits in Stettin kennen gelernt hatten, ließ es sich nicht nehmen, 25 km mitzulaufen.

Das immer näher rückende Ziel vor Augen verkrafteten Mariusz, Daniel und Ludwig auch die nun etwas höheren Temperaturen und den strahlenden Sonnenschein recht gut. Nach einem grandiosen Endspurt erreichten unsere erschöpften aber überglücklichen Läufer in Begleitung von Tilman schon gegen 16:30 Uhr die Binnenalster in Hamburg, wo sie von Ulrike und Rhea und zahlreichen Lionsfreunden aus Polen und Deutschland, darunter LF Grammes aus Waren, begeistert in Empfang genommen wurden.

Nun folgte eine lange Reihe von Gesprächen mit vielen Lionsfreunden, die sich für den Lauf und seine Geschichte interessierten. Am Abend gab es eine Einladung vom Distrikt 111-OM und ein spätes Treffen mit den polnischen LF, die zur Convention angereist waren.

6.7. Parade Hamburg

Den krönenden Abschluss bildete die Teilnahme an der Lions Parade um die Binnenalster. Das nun zu Freunden zusammen gewachsene Team erlebte anerkennende und bewundernde Anteilnahme von den vielen Zuschauern an der Strecke. Zuvor ergab sich jedoch noch die Gelegenheit, den Lions Charity Run dem Internationalen Präsidenten Wayne A. Madden vorzustellen, der uns auch spontan jegliche Unterstützung für eine Fortsetzung unserer Activity zusagte.

Nach einem Empfang der deutschen Lions am Nachmittag hieß es Abschied nehmen. Eine wunderbare, wenn auch anstrengende Woche voller Erlebnisse, neuer Kontakte und vor allem menschlicher Nähe ging zu Ende. Mit Tränen in den Augen stiegen wir in unsere Autos und traten die Heimreise an.

Was bleibt ist die sportliche Höchstleistung von Ludwig, Mariusz und Daniel, das für Hochwasseropfer gesammelte Geld und eine wunderbare Freundschaft!

Wir freuen uns schon jetzt auf die erneute Herausforderung im nächsten Jahr, wenn wir wieder gemeinsam in eine Richtung laufen unter dem Motto "We run - We serve"...